Das Museum der großen Flüsse wurde am 20. April 2001 eröffnet. Diese neue Institution der Gemeinde Rovigo führt und entwickelt die Arbeit des früheren, 1978 eröffneten Stadtmuseums der Kulturen im Polesine, weiter, wobei das Olivetanerkloster von S. Bartolomeo durch schwierige und radikale Restaurierungsmaßnahmen vollständig erneuert wurde.
Das unter Napoleon geschlossene Kloster stammt aus dem XIII Jahrhundert, doch zwischen dem sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert wurde durch die Anwesenheit der Olivetaner die Erweiterung bis auf das heutige Ausmaß, mit zwei Kreuzgängen – von welchen einer einen prächtigen Brunnen aufweist – und zwei Innenhöfen möglich, weshalb es sich um einen der bedeutendsten Gebäudekomplexe von Rovigo und dem Polesine handelt.
Das neue Museum soll sich in ein Programm zur Aufwertung des Polesine einfügen und die historischen und landschaftlichen Eigentümlichkeiten der zwischen den Endläufen der zwei größten Flüsse Italiens eingeengten und vom Podelta charakterisierten Provinz hervorheben. Zudem steht es Vorschlägen sowie der konstruktiver Zusammenarbeit mit lokalen, nationalen und europäischen Kulturinstitutionen, die sich mit Flüssen und Flussdeltas beschäftigen, offen.
Der innovative Aspekt des Museums ist an den fortschrittlichen Technologien, die für die Kommunikation der Informationen an die Besucher eingesetzt warden, erkennbar. Neben den traditionellen Schaukästen und Fundstücken, fügen sich virtuelle Rekonstruktionen, multimediale Einrichtungen, Szenendarstellungen, Dioramen und Modellplastiken hinzu, die den Besucher auf eine Fantasiereise durch die wichtigsten Etappen der Geschichte begleiten.
Zur Zeit sind von den Ausstellungen des von der Stadtverwaltung von Rovigo und der Region Venetien mit der konstruktiven Mitwirkung des Oberaufsichtsamtes für archeölogische Güter Venetiens unterstützten Museums der großen Flüsse die Sektionen über die Bronze-, die Stein- und die Römerzeit fertiggestellt worden. Diese umfassen die anhand der Ausgrabungen im oberen und unteren Polesine zu Tage gekommenen Fundstücke.
Eine neue ständige Ausstellung über das Mittelalter, ist zur Zeit in Arbeit. Hier sollen neuere historische und landschaftsbezogene Erkenntnisse über die neue hydrographische Ordnung des Polesine zwischen dem 6. und 12. Jhdt. nach Chr. dargelegt werden.
Die in den ersten drei Sektionen ausgestellten Fundstücke stammen von bedeutenden Ausgrabungsstätten, die in chronologischer Hinsicht die Zeit zwischen dem 2. Jahrtausend vor Chr. und dem 2. Jahrhundert nach Chr. umfassen.
In der, der Bronzezeit gewidmeten Sektion, dienen ständige Hinweise auf das historische, kulturelle und handelsbezogene Panorama des vorgeschichtlichen Europas als Rahmen und Unterstützung der interessanten, archäologischen Zeugnisse, die im Polesine an die Ansiedlungen von von Canàr, Castelnovo Bariano, Larda, Gavello und vor allem von Frattesina bei Fratta Polesine erinnern.
Von der Eisenzeit wird hingegen die lebhafte sozial-wirtschaftliche Entwicklung des Polesine im VI-V Jhdt. vor Chr. ermittelt, wobei der Organisation und Leitung des Umlandes von Adria mit der bäuerlichen Ansiedlung von S. Cassiano bei Crespino, die etruskisch-padanische Nekropole von Balone bei Rovigo und andere Zeugnisse aus dem Gebiet um Gavello besondere Bedeutung beigemessen wird.
Der dritte, im Mai 2004 eröffnete Ausstellungsteil, legt die menschliche Ausbreitung im Polesine zu Zeiten der Römer, genauer gesagt zwischen dem 2. Jhdt. vor Chr. und dem 2. Jhdt. nach Chr. dar. Es wird die allmähliche Ausbreitung des römischen Reiches und demzufolge die Übertragung kultureller, sozialer und wirtschaftlicher Modelle in den eroberten Gebieten dargestellt. In dieser Sektion hat der Besucher die Möglichkeit eine nachgebaute ländliche Villa von innen zu betrachten, die aufgrund der Ergebnisse der in Chiunsano (Gaiba - RO) durchgeführten Ausgrabungsarbeiten rekonstruiert wurde. Es wurde auch ein Lehrsaal eingerichtet. Hier werden anhand von Modellen und multimedialen Hilfsmitteln Beispiele der bekanntesten Denkmäler der römischen Architektur sowie die bautechnologischen, hydraulischen und mechanischen Entwicklungen dargestellt.
Die Forschung
Das Museum beschäftigt sich aktiv mit Forschungen im Bereich der Archäologie und der Umwelt der Urzeit, die in Zusammenarbeit mit dem Oberaufsichtsamt für archäologische Güter Venetiens und den Universitätsinstituten von Ferrara, Pavia, Padua und Bochum durchgeführt werden.
Das Polesine aus der Vogelperspektive
Luftaufnahmen sind wichtige Hilfsmittel, um die Entwicklung der Poebene nachzuvollziehen, da man mit ihrer Hilfe Elemente kombinieren kann, die vom Boden aus gesehen als voneinander unabhängig erscheinen. Was das Polesine betrifft, haben die vom Museum der großen Flüsse regelmäßig mit Ultraleicht-Flugzeugen und Gleitflüglern unternommenen Flüge zu überraschenden Ergebnissen geführt.
Die Luftaufnahmen haben zusammen mit den archäologischen Ausgrabungen entscheidend dazu beigetragen, Licht in die letzten viertausend Jahre des Gebiets zwischen der Etsch und dem Po zu bringen und damit die Entwicklung des Wasserhaushaltes und die gebietsbezogenen Eingriffe, wie z.B. die von den Römern durchgeführte Bodenaufteilung in Zenturien und die von ihnen gebauten Straßen zu rekonstruieren.
Im ersten Stockwerk des restaurierten Olivetanerklosters von San Bartolomeo wurde in den mit wertvollen Fresken verzierten Räumlichkeiten aus dem sechzehnten Jahrhundert eine Fläche von ungefähr 2000 qm als Ausstellungsraum gestaltet.
Der frühere Schlafsaal und die Zellen der Mönche wurden mittels wirkungsvoller Eingriffe so gestaltet, dass sie Szenendarstellungen, virtuelle Rekonstruktionen, multimediale Einrichtungen und Schaukästen mit den archäologischen Funden aufnehmen konnten.
Für die Verwaltungs-, die archäologische Lehr-, die wissenschaftliche und Restaurationstätigkeit stützt sich das Museum der großen Flüsse auf das Personal der Gemeindeverwaltung, sowie auf externen Mitarbeitern.
Es bestehen dauerhafte Zusammenarbeits – und Forschungsbeziehungen mit anderen kulturellen Institutionen und Vereinen des Polesine, sowie zu lokalen Ämtern, der Region Venetien, des Oberaufsichtsamtes für archäologischen Güter Venetiens und den Universitäten von Padua, Ferrara, Pavia und der Universität von Bochum in Deutschland.
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