In der ethnografischen Sektion wurden einige für die Bauernkultur des Polesine typische rekonstruiert: im Erdgeschoss ein Landgasthaus der 50er Jahre und die Küche mit dem charakteristischen Kamin; im Obergeschoss das Schlafzimmer und der Dachboden mit Kinderspielzeug und verschiedenen Altagsgegenständen.
An den Wänden zeigen zahlreiche Fotos handwerkliche Tätigkeiten des letzten Jahrhunderts, von denen viele ausgestorben sind.
In jedem Zimmer erläutert eine Lehrtafel die hier ausgeführten Tätigkeiten und die Verwendung der ausgestellten Gegenstände:
Die Küche (cusina)
- das Hauptelement der Küche, dem wichtigsten Raum des Hauses, ist der "fogolaro" (Kamin), in dem der "parolo" (Kochkessel an der "cadena" (Kette) hängt.
- neben dem Kamin der "scraranon" oder "caregon" (großer Stuhl), auf dem der "paron de casa" (der Hausherr) saß.
- die Einrichtung der Küche besteht aus einer "tola" (Tisch) mit einer Lade, in der sich "cortei" (Messer), "pironi" (Gabeln) und "cuciari" (Löffel) befinden.
Um den Tisch stehen einige "careghe" (Stühle) aus Holz, die Sitzfläche besteht aus "careto" (Sumpfrohr).
- in der "cardenza" (Küchenschrank) werden in den beiden oberen Laden das Tischtuch und die Servietten und im unteren Teil Teller, "pignate" (Töpfe), "cuogome" (Kaffe- und Zuckerdosen), "busoloti de zucaro e de cafè", und die "balanza "(Waage) untergebracht.
- an einer Wand hängt der "taca tece" (Kochtopfaufhänger).
- auf dem Küchenschrank oder auf dem Rand der Kaminhaube befindet sich der Wecker, einige Kerzenständer, der "pista sale" (Topf mit Holzstößel zum Zerkleinern des groben Salzes), die "moscarola" (Glasvase, die als Fliegenfalle verwendet wurde), der "masenin da cafè" (Kaffeemühle). Kaffeebohnen wurden ungeröstet erworben und anschließend, bevor sie gemahlen wurden, in der "bala da cafè" (zwei Halbkugeln mit langen Henkeln) geröstet.
Wenn es keinen Kaffee gab, was öfters der Fall war, wurden Weizen- oder Gerstenkörner geröstet.
Das Gasthaus
- Das Gasthaus ist ein Ort der Geselligkeit, hier bekommt man ein Glas Wein und wickelt etwaige Geschäfte ab.
Hier werden lokalen Geschehnisse des Tages sowie mehr oder stärker verfälschte Nachrichten aus dem In- und Ausland besprochen.
- Im Gasthaus rasten Reisende, Fuhrmänner und Wanderhändler, die sich von den Mühen einer Reise auf im Sommer staubigen und im Winter schlammigen Wegen erfrischen.
- Abends kehrt Leben ins Gasthaus ein.
Man spielt Karten: briscola, tresette, scopa, bestia (hiesige Kartenspiele) oder die verbotene jedoch überall verbreitete morra (Mora): wer gewinnt bekommt einen Liter Wein.
Das Lokal ist voller Zigarren- und Pfeifenrauch aus den Tonpfeifen.
- Im Gasthaus erhalten die Gäste dieselben Speisen, die in der Familienküche zubereitet werden: Bohnensuppe, bigoli (Nudeln) mit Sardinen, Stockfisch, Kutteln.
Das Schlafzimmer (camara da leto)
- In ärmeren Haushalten bestand das Bett aus von Böcken gestützten Holzbrettern, auf denen der "paion" ( ein mit "scartozi" (Resten) der Maiskolben gefüllter Sack aus Hanf) lag. Die "nizoi" (Laken) sind aus "canio" (Hanf).
- Für die Morgenwäsche benutzte man die "brocca" (Krug) und den "cadin" (Schüssel).
- Im Winter wurde vor dem Schlafen gehen die mit "fogara" (Glut) gefüllte "munega" (Bettwärmer) zwischen die Laken gelegt. Man verwendete auch die "boza" (kupferne Wärmflasche, die mit heißem Wasser gefüllt wurde)
Der letzte Raum im Obergeschoss ist als Spielzimmer und Unterrichtsraum ausgestattet, in dem Kinder und Erwachsene Kinderspiele von früher erlernen oder neu erlernen können und selbst Drachen, Stoffpuppen, kleine Karren..... herstellen können.
Man kann sich auch mit anspruchsvolleren Tätigkeiten befassen, wie zum Beispiel dem Weben mit dem Hochwebstuhl.
Das Museum soll nicht nur ein Ort der Ausstellung von Gegenständen vergangener Zeiten, sondern auch ein Ort des Wiedererlebens der Vergangenheit sein.
Aus diesem Grunde werden die Küche und das Gasthaus gelegentlich zum Treffpunkt alte Rezepte aus dem Polesine gegessen, ein Glas Wein getrunken und dem Kartenspiel gefröhnt warden kann, während im Kamin das Feuer brennt und die Polenta (Maismus) kocht.
Im Eingangssaal der naturwissenschaftlichen Sektion befinden sich einige Lehrtafeln, die die Geschichte des Gutshofes darlegen: Entstehung des Gebiets, erste Ansiedlungen, Ansiedlung der venezianischen Patriziefamilie Cappello, Entwicklung des Gutshofes.
Im Eingangssaal kann der Besucher außerdem in die Welt der Vögel eintauchen. Auf Lehrtafeln warden deren Charakteristiken beschrieben, hier befindet sich auch die Rekonstruktion eines Pteranodon ingens (Reptil mit einer Flügelspannweite von ungefähr 8 m, das vor 70 – 100 Millionen Jahren lebte und, als eines der ersten versuchte die Luft zu erobern).
In den drei folgenden Sälen sind Exemplare von über 100 Vogelarten systematisch angeordnet, dass deren Evolution dargestellt wird. (ausgestellt sind Entenl, Regenpfeifer, Stelzenläufer, Möwen, Brachvögel, Rallen, Seetaucher, Kormorane, Lappentaucher, Reiher, Truthüner, Fischadler, Falken, Tauben, Kuckucke, Schleiereulen, echte Eulen, Eisvögel, Bienenfresser, Wiedehopfe, Spechte und Sperlinge).
Jede Gattung wird kurz beschrieben und jedes einzelne Exemplar mit seinem üblichen und seinem wissenschaftlichen Namen benannt.
Im zweiten Raum wurde eine "coegia" aufgestellt. Es handelt sich um die Rekonstruktion eines typischen mit Schilfrohr getarnten Jagdstandes, wie sie von Jägern in den Lagunen des Podeltas erbaut werden.
Im Innern der coegia können einige der schönsten Landschaften des Deltas bewundert werden: der Wald, die Lagune, der Strand und das Vorland.
Auf den Kaminsimsen befinden sich verschiedene Miniaturmodelle typischer Objekte des Deltas: "casoni" (typische Bauten mit Schilfdach), Lockvögel, Angelzubehör.
Ein großes dreidimensionales Paneel stellt die Wanderwege einiger Vögel dar. Von der Decke hängen bewegliche Umrisse eines Kormorans, eines Graureihers und einer Rohrweihe.
An den Wänden beschreiben illustrierte Lehrtafeln die Hauptcharakteristiken der Vögel: Gefieder und Flug, Schnabelform und Ernährungsweise, Nester und das Nistgebiet, Gesang, Form der Füße, geschlechtsbedingter Dimorphismus, Balzrituale…
Vier große Gemälde stellen die charakteristischsten Bereiche des Podeltas (und die dort lebenden Vogelarten) dar:
- das Küstengebiet mit Dünen
- das Sumpfgebiet mit Röhricht
- das Lagunengebiet
- das Gebiet des Vorlandes.
Der Museumsrundgang wird durch einen Schaukasten mit einigen Exemplaren von Säugetieren vervollständigt.
Durch Klick auf das Bild, wird dieses vergrößert und die Beschreibung dargestellt:
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